Jonas


Jonas kurzes Leben
Manchmal kommt es uns vor, als wenn es noch gestern gewesen wäre, dass wir mit Jonas zusammen gelebt, gelacht und geweint haben, so lebendig ist die Erinnerung an ihn. Jonas ist zwölf Jahre alt geworden. Sein kurzes Leben hat er sehr intensiv gelebt. Vielleicht wusste seine Seele, dass ihr hier bei uns nicht so viel Zeit gegeben war.

Im Juni 2000 wurde bei Jonas ein großer Hirntumor diagnostiziert. Jonas hat diese Krankheit als Herausforderung angenommen und mit allen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen dagegen gekämpft. Tapfer nahm Jonas alle Therapien und ihre Rückschläge hin, selbst die Hirnblutung mit dem damit verbundenen Verlust der Sprache und der Lähmung der rechten Körperhälfte. Gemeinsam hofften wir auf ein Wunder...

Weil der Tumor aber trotz Chemotherapie und Bestrahlung nicht kleiner wurde und keine Aussicht auf Heilung bestand, entschlossen wir uns nach vier Monaten zum Abbruch der Chemotherapie. Wir wollten Jonas dadurch noch ein paar möglichst unbeschwerte Lebenswochen zu Hause ermöglichen, fernab vom Krankenhausalltag. Die Ärzte der Universitätskinderklinik bestärkten uns in dieser Entscheidung. Sie versorgten uns mit Notfalltelefonnummern und waren rund um die Uhr für uns erreichbar. Das gab uns die nötige Sicherheit.

Auf diese Weise hatten wir Zeit, zu Hause in vertrauter Atmosphäre voneinander Abschied zu nehmen. Neun Monate lang hatten wir Gelegenheit, ganz für Jonas da zu sein, um ihm letzte Wünsche zu erfüllen, Unerledigtes zu erledigen, Beziehungen zu klären und um auszusprechen, was uns wichtig war. Wir haben gemeinsam gelacht und geweint und gebetet. Im Sommer 2001 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand deutlich: Jonas wurde immer hilfsbedürftiger, seine Pflege aufwändiger. Nur noch selten verließ er das Bett. Er trug Pampers, was er geduldig hinnahm aber als Demütigung empfand. Die Kopfschmerzen nahmen zu und er musste häufig erbrechen. Wir konnten durch Medikamente nur noch die Symptome beeinflussen.

Die Erkrankung als solche führte unaufhaltsam zum Tod. Wir versuchten eine Atmosphäre herzustellen, um diese Situation für unser sterbendes Kind erträglich zu machen. Jonas sollte möglichst keine Angst haben müssen. Wir wollten Jonas zeigen: Wir sind bei dir! Auch wenn es dir immer schlechter geht: Wir sind da! Wir rücken gerade in diesen schwersten und schlimmsten Stunden noch näher zusammen... egal, was da jetzt auch kommen wird...

Wir wurden von dem ambulanten Palliativteam der Kinderkrebsklinik betreut. Frau Dr. Janßen machte sich mit einer Kinderkrankenschwester zusammen auf den Weg und besuchte uns in Duisburg. Sie brachten Medikamente und Infusionen mit, Spritzen und Windeln. Jonas hat sich sehr über den Besuch gefreut. Er umarmte die beiden, drückte und küsste sie. Die letzten Tage seines Lebens durfte er zu Hause verbringen. Er musste nicht ins Krankenhaus, weil wir ihn auch in unseren eigenen vier Wänden medizinisch gut versorgt wussten. Am 27. September 2001 ist Jonas frühmorgens zu Hause in meinen Armen gestorben. Jonas war in der Stunde seines Todes nicht allein.

Wir sind dankbar für die gemeinsame Zeit, die wir mit Jonas hatten, und rufen sie uns oft in Erinnerung. Mitunter ist das noch schmerzlich, aber letztendlich sind die Erinnerungen und die Liebe das Einzige, was uns bleibt.





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