1996 - Ferien fernab vom Klinikalltag


Patienten und Ärzte der Kinderkrebsklinik Düsseldorf machten Ferien im Sauerland. „Endlich einmal etwas anderes sehen als das Zuhause und die Uni-Klinik“, strahlt Mareike Danneberg. Neun lange Monate war das 15jährige Mädchen in ambulanter Knochenkrebs-Therapie an der Kinderkrebsklinik Düsseldorf. Ein normaler Alltag mit Schule, Weggehen und Urlaub war da nicht möglich.

Doch dann kam das Angebot der Kinderkrebsklinik: Eine Woche Ferienfreizeit im Sauerland. Eine Möglichkeit, die Mareike begeistert wahrnahm.Die Kinderkrebsklinik Düsseldorf veranstaltete unter Leitung der beiden Stationsärzte Gisela Janßen und Hans-Jürgen Laws im Juli zwei einwöchige Ferienfreizeiten in Langewiese. Mit dabei waren insgesamt 80 Teilnehmer: krebskranke Kinder, teilweise in Begleitung von Geschwistern und Eltern, und auch Ehepaare, deren krankes Kind gestorben war.

Die Unternehmung wurde von Spenden der Elterninitiative Kinderkrebsklinik e.V. finanziert, so dass auch Familien dabei sein konnten, deren finanzielle Mittel nicht ausreichten.Die Freizeit fand unter ärztlicher und psychologischer Betreuung statt: „Die Idee war, erkrankten Kindern und Jugendlichen trotz des angegriffenen Gesundheitszustands einen Urlaub zu ermöglichen“, meint Janßen. Eine wichtige Rolle spielte auch die psychosoziale Komponente. „Die psychologischen Aspekte im Umgang mit den Kindern geraten im Krankenhaus oft in den Hintergrund. In der Ferienfreizeit konnte auf die Sorgen und Nöte von Kindern und ihren Eltern und Geschwistern eingegangen werden“.

„Die große Faszination war für uns alle, dass wir uns so gut verstanden haben. Sich einmal austauschen und alles loswerden ist so wichtig – denn die Problematik ist für uns alle dieselbe“, erzählt Heike Ritzkat, die mit Ehemann und Sohn Oliver (10) dabei war. Für den Filius war am schönsten, seinen Vater endlich einmal eine Urlaubswoche lang ganz für sich zu haben.

Andere Kinder waren hingegen darüber froh, für einige Zeit ohne Mama und Papa ganz auf sich gestellt zu sein. Das Freizeitprogramm – Wanderung auf den Kahlen Asten, Fahrt nach Elspe, zu den Karl-May-Festspielen, Schiffahrt auf dem Bigge-See und andere Aktivitäten wie Grillen, Reiten, Frühsport und Disco – hat alle begeistert:

„Weil das einfach normales, ‚echtes’ Leben war.Sonst dürfen wir wegen unseres heruntergefahrenen Immunsystems ja gar nicht nach draußen“, erzählt Mareike. Auch für die Ärzte selbst war’s ein voller Erfolg: „Nichts ist schöner, als die Kinder so fröhlich zu sehen. Lachend und unternehmungslustig, herausgelöst aus der Krankenhausatmosphäre“, beschreibt Stationsarzt Laws seine Eindrücke.

Es wurde viel gelacht, aber auch viel geweint“, erzählt seine Kollegin Gisela Janßen. „Und in traurigen Momenten haben alle zusammengehalten, immer war jemand da, der Trost spenden konnte.“
(Quelle: Julia Willmann, 1996)





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