1988 - Knochenmark-Transplantationszentrum


In der Universität Düsseldorf wird bis zum Herbst dieses Jahres das vermutlich modernste Zentrum für die Transplantation (Verpflanzung) von Knochenmark geschaffen. Mit dieser erst in jüngster Zeit stark verbesserten Therapie können Kinder und Erwachsene, deren Immunsystem durch eine Erkrankung des Knochenmarks lebensgefährlich gestört ist, geheilt werden. Es sei eine überfachliche Einrichtung, erklärt Prof. Ulrich Göbel, Abteilungschef der Uni-Kinderklinik, in einem Gespräch mit unserer Zeitung.

Zusammen mit dem Internisten und Onkologen Prof. Wolfgang Schneider wird Göbel dieses neue Zentrum leiten. Die wichtigste Voraussetzung für ein Gelingen der Behandlung – gültig auch für alle anderen Transplantationen – ist es, dass der Spender des Knochenmarks ein möglichst naher Blutsverwandter des Empfängers ist. Da bei der Übertragung des Knochenmarks auch das gesamte Immunsystem – dessen Mutterzellen im Knochenmark angesiedelt sind – ausgetauscht wird, ist die Gefahr der Abstoßung bei unverträglichen Implantaten besonders groß und mit hohem Risiko behaftet. Die Transplantation selbst ist, so Prof. Göbel, verhältnismäßig einfach, sie vollzieht sich ähnlich wie eine Bluttransfusion.
Die große Schwierigkeit liegt in einer strikten Hygiene während der langen Zeit von vier bis sechs Wochen, in der das übertragene Knochenmark einwachsen muss. Professor Göbel: „In dieser Zeit müssen die Patienten vollständig isoliert werden, um nach menschlichem Ermessen jede Infektionsgefahr auszuschalten. Solange das Immunsystem nicht seine neue Rolle im Körper des Empfängers übernimmt, braucht der Patient umfassenden Schutz“. Entsprechend aufwendig sind die Umbaumaßnahmen in einem vorhandenen Klinikgebäude. Eine spezielle Klimaanlage sorgt für sterile Luft in den Patientenzimmern, die nur über eine Schleuse erreicht werden können. Es muss eine besondere Wasserleitung für eine einwandfreie Entsorgung gebaut werden.

Die künftigen Besucher der Kranken müssen sich so umkleiden, als würden sie einen sterilen Operationssaal betreten. Man hat sich in sämtlichen vergleichbaren Einrichtungen umgesehen und will in Düsseldorf die gewonnenen Erfahrungen verwerten. Über die Erfolgschancen der Therapie sagte Göbel, dass etwa die Hälfte der Patienten auf Dauer geheilt werden können. Nach heutigen Erkenntnissen sind Viren die Auslöser der Knochenmarkerkrankungen, doch ist der Ablauf des Krankheitsprozesses noch unklar. Meist trat die lebensbedrohliche Immunschwäche nach einer Infektion oder auch nach der Einnahme von Medikamenten auf.

Das Projekt von etwa zwei Millionen Mark kann nur verwirklicht werden, weil die Elterninitiative Kinderkrebsklinik Düsseldorf aus Spendenmitteln dafür 1,15 Millionen Mark bereitstellen wird, die Deutsche Krebshilfe gibt 250 000 und das Land NRW 500 000 Mark. Zugleich wird auch die Kinderkrebsklinik im selben Universitätsgebäude umgebaut. Professor Göbel: „Wir danken herzlich allen Spendern aus allen Teilen der Bundesrepublik, die uns diesen Fortschritt zum Wohl der kleinen und großen Patienten ermöglicht haben“. Der Arzt sprach von einer „Konvertierten Aktion“, an der auch die Uni-Verwaltung maßgeblich beteiligt sei.
(Quelle: Rheinische Post, 1988)





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