Eine ganz besondere Segelfreizeit


Tag 1– Anreise und erster Segeltag
Früh am Morgen ging es los. Treffpunkt war schon um 6:30 Uhr in der Kinderklinik. Nachdem diverse Kisten mit Proviant, und das gesamte Gepäck verladen war ging es pünktlich um 7 Uhr mit unserem Bus mit 15 Kindern und vier Betreuer*innen Richtung Enkhuizen. Die Busfahrt ging deutlich schneller als erwartet und wir kamen schon um 10 Uhr im Hafen an. Dort wurden wir bereits von unserem Skipper Kars und unserer Matrosin Mathi herzlichen empfangen. Nachdem das Gepäck und Proviant an Bord verstaut waren und die Kinder ihre Kajüten erkunden konnten, bekamen wir eine ausführliche Schiffseinweisung von Mathi.
Dabei lernten wir nicht nur die wichtigsten Regeln an Bord kennen, sondern bekamen auch gezeigt, wo sich Fock, Großsegel und Besansegel befinden und welche Aufgaben sie haben. Am Mittag hieß es auch schon: Leinen los! Die ersten Segel wurden gesetzt und wir machten uns auf den Weg nach Stavoren. Bereits auf dieser ersten Segeltour konnten die Kinder selbst aktiv werden, denn sie setzten die Segel, lernten ihren ersten Knoten. Immer wieder hörte man das typische „8-8-9“ und wusste, die Seile sitzen fest. Die Stimmung war bestens und alle Kinder waren froh eine wichtige Aufgabe beim Segeln zu übernehmen. Mit 5 gesetzten Segeln fuhren wir über das Meer. In der ältesten Stadt Frieslands angekommen, konnten die Kinder in Kleingruppen durch das kleine Dorf schlendern. Anschließend kehrten wir zum Schiff zurück und machten es uns auf dem Deck oder im Klüvernetz gemütlich und konnten den ersten Tag mit einem schönen Sonnenuntergang ausklingen lassen.

Tag 2 – Abenteuer auf der Sandbank
Nach dem gemeinsamen Frühstück hieß es gegen 10 Uhr wieder: Segel setzen! Wir hatten einen besonderen Tag vor uns. Unser Ziel war diesmal kein Hafen, sondern eine riesige Sandbank. Kars berechnete schnell die beste Ankunftszeit, denn wir wollten das Schiff auf der Sandbank „parken“. Pünktlich um 15 Uhr erreichten wir unser Ziel, mitten im Meer.

Als wir ankamen, war das Wasser noch etwa 1,20 Meter hoch, die Ebbe hatte bereits eingesetzt. Wir nutzen die Gelegenheit und gingen mit den Kindern gemeinsam ins Wasser. Besonders lustig war dabei die leichte Strömung: Man konnte richtig spüren, wie das Wasser langsam an den Beinen zog. Nach dem Baden warteten wir einige Zeit, bis das Wasser komplett verschwunden war. Es fühlte sich an, als hätte jemand den Stöpsel aus dem Meer gezogen. Das Wasser war so weit verschwunden, dass das komplette Schiff trocken lag. Jetzt gab es auch kein Halt mehr: Alle gingen los und machten eine riesige Entdeckungstour. Es war ein sehr beeindruckendes Gefühl, mitten auf dem Meer das Schiff zu verlassen und über eine einsame Sandbank zu spazieren. Dabei konnte man Krebse, Quallen und Wattwürmer sehen. Besondern viel Spaß machte unser kleiner Wettbewerb: Wer schaffte es am schnellsten, sich mit den Füßen tief ins Watt einzugraben?
Dabei wurde viel gelacht und natürlich ordentlich im Matsch gewühlt. Um 19:30 Uhr war die Flut bereits eingesetzt und wir mussten zurück aufs Schiff. Nach dem Abendessen war das Wasser dann wieder hoch genug und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Diesmal nur mit Motor. Wir genossen die Fahrt über das abendliche und völlig ruhige Wasser und erreichten Den Oever um 22 Uhr. Da nun Nachtruhe war, ließen wir den erlebnisreichen Tag ruhig ausklingen. In den Kajüten wurde noch ein bisschen gequatscht, bevor der Tag zu Ende ging.

Tag 3 – Geburtstag, Teamwork und Krabbenfang auf Texel 
Der dritte Tag begann mit einem ganz besonderen Anlass: Wir durften den 16. Geburtstag eines unserer Kinder feiern! Schon am Morgen wurde das Schiff ein wenig geschmückt und die ersten Geburtstagslieder klangen laut aus der Musikbox. Nach dem Frühstück gab es Kuchen und ein kleines Geschenk. Natürlich durfte auch ein Geburtstagsständchen nicht fehlen: Die ganze Gruppe sang gemeinsam „Happy Birthday“ – und als besonderes Highlight wurde das Geburtstagslied von einem Mitfahrer sogar auf Italienisch gesungen. Ein schöner Start in den Tag! 
Gegen 11 Uhr hieß es dann wieder: Segel setzen und Kurs auf Texel! Die heutige Etappe war seglerisch besonders anspruchsvoll, denn der Wind drehte immer wieder, sodass zahlreiche Wenden notwendig waren. Unsere Kinder meisterten das inzwischen mit Bravour. Schon am dritten Tag sind aus den kleinen Segelanfängern richtige Profis geworden: Einmal kurz erklärt, was zu tun ist, und schon wussten alle Bescheid. Jeder bekam eine feste Aufgabe bei den Wenden und mit großem Eifer und tollem Teamwork unterstützten sie die Crew. Eigentlich wollten wir bereits um 15 Uhr auf Texel ankommen, aufgrund der wechselnden Windverhältnisse wurde es schließlich 16 Uhr.
Im Hafen angekommen, durften die Kinder in kleinen Gruppen die Umgebung erkunden. Einige gingen ins Einkaufszentrum, andere wollten unbedingt den frischen Fisch probieren und eine Gruppe besorgte sich Angelrute und Eimer, um im Hafen auf Krabbenfang zu gehen. Der Krabbenfang entwickelte sich schnell zum absoluten Highlight des Nachmittags. Mit viel Begeisterung wurden zahlreiche Krabben gesammelt und am Ende sogar ein kleines Krabbenrennen veranstaltet. Die Krabben wurden natürlich am Ende wieder zurück ins Wasser gelassen. Auch der nahegelegene Spielplatz wurde ausgiebig bis in den späten Abend genutzt. 
Als Belohnung für die tolle Unterstützung beim Segeln und die zahllosen Wenden wurde Pizza an Bord bestellt– natürlich durfte sich jedes Kind seine eigene Wunschpizza aussuchen. Bei leckeren Getränken, guter Stimmung und vielen Gesprächen ließen wir den Tag gemeinsam ausklingen. Bis zur Nachtruhe wurde noch gespielt, gelacht und in den Kajüten gequatscht.

Tag 4 – Robben, Krabben und Kinoabend auf Texel 
Da wir beschlossen einen Tag auf Texel zu bleiben, durften wir etwas länger ausschlafen und den Tag ganz gemütlich beginnen. Nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg ins Ecomare, einer Seehundauffangstation und Naturkundemuseum auf Texel. Dort konnten wir viel über die Tiere und das Wattenmeer erfahren. Besonders spannend war die Quarantänestation, in der sogar einige kleine Babyrobben zu sehen waren. Die Kinder durften in kleinen Gruppen durch die Ausstellung gehen und alles in Ruhe erkunden. Natürlich wurde auch der ein oder andere Besuch im Souvenirshop eingeplant – kleine Robbenkuscheltiere, Postkarten und Schmuck mit Seestern und Seepferdchen Motiven wurden geshoppt. 
Zurück am Hafen ging es nach einem kurzen Fußweg erst einmal zum gemeinsamen Mittagessen. Bei Kibbelingen, Tintenfischringen und Pommes konnten sich alle stärken, bevor es wieder zurück zum Schiff ging. Dort angekommen, gingen wieder einige Kinder begeistert und voller Spaß auf Krabbenfang. Wir kauften noch einige Angeln und Eimer, damit alle Kinder mitmachen konnten. Natürlich wurde auch wieder der Spielplatz ausgiebig genutzt. Am Abend gab es schließlich noch ein ganz besonderes Highlight: Kino an Bord! Mit Beamer, Leinwand und jeder Menge Snacks machten wir es uns unter Deck gemeinsam gemütlich. Die Kinder hatten sich eine Komödie ausgesucht und es wurde teilweise so laut gelacht, dass es durch den ganzen Hafen klang. Die Nachtruhe begann heute etwas später als gewohnt.

Tag 5 – Volle Fahrt voraus nach Medemblik
Nach dem Frühstück hieß es gegen 10 Uhr Segel setzen und los! Unser heutiges Ziel war Medemblik. Bei bestem Wetter und kräftigem Wind kamen wir richtig gut voran. Der Wind war stark, aber angenehm warm – perfekte Bedingungen für einen tollen Segeltag. Ein kleines Highlight war unser inoffizielles Wettrennen mit dem Nachbarboot. Unser „Kontrahänt“ war kurz vor uns auf Texel gestartet und plötzlich entdeckten wir ihn auf dem Wasser wieder. Mit ordentlichem Wind in den Segeln und 8 Knoten (was etwa 14,8 km/h ist) konnten wir ihn tatsächlich überholen! Die Kinder fieberten begeistert mit und verfolgten gespannt, welches Boot wohl schneller sein würde. Als wir schließlich vorne lagen, war die Freude natürlich riesig. Kars erklärte uns sehr stolz, dass unser Schiff sehr leicht ist und wir somit deutlich schneller als die meisten anderen Plattbodenschiffe. 
Wir entschlossen uns das gute Wetter auszunutzen und ankerten vor dem Hafen in Medemblik. Kaum waren die Anker im Wasser sprangen auch schon die ersten Kinder hinterher. Mit lauter Musik und noch mehr Spaß wurden tolle Sprünge vorgeführt, Fender und Rettungsringe ins Meer geworfen und als Schwimmhilfen umfunktioniert. Gegen 15 Uhr liefen wir dann in den Hafen von Medemblik ein und fanden einen wunderschönen Liegeplatz. Direkt neben unserem Stellplatz lag eine große Wiese mit einem Spielplatz – für die Kinder natürlich ein Volltreffer. Zunächst erkundeten sie noch ein wenig die Stadt, bevor wir uns wieder gemeinsam an Bord zum Abendessen trafen. Anschließend wurde der Spielplatz ausgiebig erobert. Die Kinder spielten, tobten, lachten und hatten gemeinsam jede Menge Spaß. So ging ein sonniger und erlebnisreicher Segeltag mit ordentlich Wind, einem kleinen Wettrennen und unendlich viel Badespaß zu Ende.

Tag 6 – Museumsabenteuer und unsere große Abschiedsparty
Am sechsten Tag starteten wir nach dem Frühstück gegen 10 Uhr wieder mit dem Segeln. Eigentlich war die Kanincheninsel unser Ziel. Da sich auf der geplanten Route jedoch gleich drei starke Gewitter ankündigten, entschieden wir uns spontan, den Kurs zu ändern. Sicherheit ging vor – und so machten wir uns auf den Weg nach Enkhuizen. Dort angekommen, erwartete uns zunächst ordentlich Regen. Davon ließen sich die Kinder aber nicht abschrecken: Rund zwei Stunden erkundeten sie das „Zuiderzeemuseum“, es ist eine Nachstellung eines niederländischen Dorfs vor etwa 100-140 Jahren mit mehr als 140 Gebäuden, wie Wohnhäuser, Werkstätten, kleinen Geschäften und Fischergebäuden. Besonders spannend war ein Quiz, an dem zwei Gruppen teilnahmen. Mit viel Ehrgeiz wurde gerätselt und am Ende gab es natürlich auch eine Siegerehrung. Das Gewinnerteam durfte sich über Schoko-Medaillen und ein kleines Abenteuer-Set freuen. 
Als sich das Wetter anschließend wieder besserte, nutzten die Kinder die Gelegenheit, noch ein wenig durch die Hafenstadt zu schlendern. Am Abend stand das große Highlight des letzten gemeinsamen Abends an: unsere Abschiedsparty! Gemeinsam schmückten wir das Schiff, stellten Snacks und kindgerechte Spaßgetränke bereit und sorgten mit einer Lichterkette für eine gemütliche Atmosphäre. Und natürlich durfte auch die Karaoke-Maschine von Kars nicht fehlen. Eingeleitet wurde der Abend mit einer tänzerischen Aufführung einiger Seglerinnen, die zuvor kurzfristig noch einstudiert wurde. Die Kinder hatten sich als Motto „Verrückt und ausgefallen“ ausgesucht – entsprechend kreativ und bunt fielen die Outfits aus. Wirklich alle machten mit, sogar unser Skipper Kars und unsere Matrosin Mathi. Gemeinsam wurde gesungen, getanzt und unglaublich viel gelacht. Es war wunderschön zu sehen, wie unbeschwert die Kinder diesen Abend genießen konnten. Alle sangen gemeinsam, tanzten und hatten einfach eine tolle Zeit. An diesem Abend war das ganz besonders spürbar. Die Nachtruhe wurde an diesem letzten Abend ziemlich nach hinten geschoben bis schließlich wirklich alle müde, aber überglücklich in ihre Kojen fielen.

Tag 7 – Der letzte Tag und ein emotionaler Abschied.
Müde und erschöpft, aber mit vielen schönen Erinnerungen starteten wir in unseren letzten Morgen. Nach dem Frühstück hieß es um 10 Uhr noch einmal: Leinen los! Da wir die Segel bereits am Vortag verstaut haben, ging es heute mit dem Motor nochmal los. Wir wollten das schöne Wetter nochmal nutzen und den Kindern die Möglichkeit bieten noch einmal ins Meer zu springen. Ein besonderes Highlight war die Fahrt über die Autobahnschleuse. Mit unserem Schiff fuhren wir über die Schleusenbrücke, also wirklich auf einer Brücke mit Wasser und Schiffen und unter uns die Autobahn. Besonders für uns Betreuer*innen war es ziemlich faszinierend. Während der etwa halbstündigen Fahrt zum nächsten Badestopp wurde bereits fleißig aufgeräumt: Taschen wurden gepackt, Betten abgezogen, Geschirr gespült und das Schiff gemeinsam wieder auf Vordermann gebracht. Anschließend gab es noch einmal die Gelegenheit für einen ausgiebigen Badespaß. Bei Sonnenschein sprangen die Kinder ein letztes Mal ins Wasser und genossen die gemeinsame Zeit. Danach wurde sogar noch gemeinsam mit viel Spaß und ordentlich Wasser das Deck geschrubbt. Zurück im Hafen angekommen, brachten wir unser gesamtes Gepäck an den Steg und schließlich zum Bus.
Danach kam der traurige Moment des Abschiedes mit unserem Skipper Kars und unserer Matrosin Mathi. Jedes Kind verabschiedete sich persönlich und mit einer herzlichen Umarmung. In den vergangenen Tagen war eine ganz besondere Verbindung zwischen der Crew und den Kindern entstanden. Dann hieß es endgültig: Einsteigen und zurück nach Hause. Auf der Rückfahrt legten wir noch, zur Freude aller Kinder, einen Zwischenstopp bei McDonald’s ein, damit sich alle stärken konnten. Dort bekamen wir sogar ein ganz besonderes Kompliment: Die Mitarbeiter lobten die Kinder für ihr ruhiges, geordnetes und entspanntes Verhalten. Sie ahnten ja nichts von der Party am Vorabend. Darüber haben wir uns als Betreuerteam natürlich trotzdem sehr gefreut. Gegen 19:30 Uhr erreichten wir schließlich die Uniklinik in Düsseldorf. Dort warteten bereits die Eltern, Geschwister und sogar einige Hunde auf die Kinder. Gemeinsam wurde beim Ausladen des Busses geholfen, bevor sich alle voneinander verabschiedeten und die Kinder schließlich mit ihren Familien nach Hause fuhren.

Ein großes Dankeschön 
Damit ging eine wunderschöne und ganz besondere Segelfreizeit zu Ende. Unser größtes Ziel war es, den Kindern eine abwechslungsreiche, spannende und vor allem unbeschwerte Woche zu ermöglichen. Ganz gleich, ob sie selbst vom Klinikalltag betroffen sind oder als Geschwisterkind damit verbunden sind: Für eine Woche sollten sie einfach Kind sein, Abenteuer erleben, lachen, Gemeinschaft erfahren und dieser Plan ist voll aufgegangen. Ein ganz besonderer Dank gilt unserer Elterninitiative Kinderkrebsklinik e.V., die die gesamte Segelfreizeit durch Spendengelder finanziert und damit diese besondere Woche überhaupt erst möglich gemacht hat. Auch den Eltern danken wir herzlich für ihr Vertrauen. Wir freuen uns sehr, dass die Kinder so viele schöne, unbeschwerte Momente erleben konnten – und sagen von Herzen: Danke für diese unvergessliche Woche! Wir können es kaum bis zum nächsten Jahr aushalten!

Lisanne, Kathrin, Tim, Philippe | August 2026





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